Ohne Worte

Auch wenn ich die Eindrücke und das Erlebte aus Singapur noch nicht geschrieben habe, kommt hier eine Art erster Schlussartikel. Leider bin ich mit dem Schreiben hier in Singapur nicht hinterher gekommen, will aber die Stimmung, in der mich gerade befinde, nicht einfach unerwähnt vorbei ziehen lassen und dann rückwirkend über diesen Moment reflektieren. Also schiebe ich diesen Artikel jetzt einfach dazwischen, denn die letzten Berichte von der Reise werden garantiert noch kommen – das will ich euch und auch mir selbst nicht vorenthalten.

Es ist 0:24 Uhr am 18. Mai 2012 – heute geht es nach Hause. Ich schwebe in einer Art Zwischenwelt. Ich freue mich natürlich auf zu Hause. Aber es überwiegt die tiefe Trauer darüber, dass die Reise nun unmittelbar vor ihrem Ende steht. Ich hab Angst vorm nach Hause kommen, viel mehr als vorm Losfahren. Ich kann gar nicht ausdrücken, wie sehr ich das Reisen und den damit verbundenen Lebensstil vermissen werde. Der Abschied fällt so schwer, wie mir fast noch nie etwas in meinem Leben schwer gefallen ist. Dieses Gefühl kann man glaub ich nicht verstehen, wenn man es nicht erlebt hat. Die Welt ist in den letzten acht Monaten mein zu Hause geworden, so kitschig das auch klingen mag. Ich habe Dinge gelernt, die man nicht in der Schule oder im Studium lernt, ich habe gelernt zu leben (Kitschalarm die zweite).

Auch wenn ich die Erfahrungen und das Erlebte niemals mehr vergessen werde und ich davon geprägt bleibe, fühle ich mich noch nicht bereit, endgültig Abschied zu nehmen. Deshalb bin ich gerade doch froh, den Blog noch nicht zu Ende geschrieben zu haben – so bleibt mir die Möglichkeit zu Hause noch einmal alles aufleben zu lassen und dann die wirklich abschließenden Worte zu finden. Momentan hab ich sie nämlich nicht.

 

 

Strand und Meer/Mehr

Byron Bay 026

Früh am Morgen machten wir uns auf zum Greyhound Busstop, um unseren Trip die Ostküste hoch zu starten, welcher sich mehr als spontan gestaltete. Die Ziele wurden von uns ausgewählt nach Kriterien wie „schöner Ortsname“, „noch nicht zu dicht an Brisbane“, „schöne Bilder auf den Hostelflyern“ und nicht zuletzt natürlich auch aufgrund von Empfehlungen. Kurzum haben wir immer sehr kurzfristig entschieden, wo es als nächstes hingeht.

Ich muss sagen, dass wir wirklich gute Wahlen getroffen haben – zwei Orte waren regelrechte Perlen. Generell gesprochen bestand die Zeit aus Märkten, Strand, auf verschiedene Arten Wellen reiten und einfach nur die Tage genießen. Das Leben hier war in jeder Hinsicht eng mit dem Ozean verbunden.

Erster Stopp war Port Macquarie, eigentlich ein recht lahmer Ort mit nicht wirklich schönen Stränden. Das Wetter war in den zwei Tagen, die wir dort waren, auch nicht der Knüller. Trotzdem begab ich mich ins Wasser und erlebte die bis dato höchsten Wellen meines Lebens. Die einzige wirkliche Sehenswürdigkeit des Ortes – das Koala Hospital – stand natürlich auch auf unserem Programm und stellte sich als wirklich sehenswert heraus. Nach zwei Tagen hat man dann aber auch alles gesehen und die Fahrt ging weiter.

Coffs Harbour war dann eine echte Überraschung: super Leute – sowohl staff als auch guests – schöner Ort, netter sunday market, noch bessere Wellen und eine menge Aktivitäten. Denn auf diesem Fleckchen Erde probierten wir zum ersten mal DEN australischen Sport schlechthin aus – wir wagten uns auf’s surf board! Mit ein paar anderen Mädels aus dem hostel ging es mit dem wandelnden Klischee-Surflehrer Billy (blonde Wuschelhaare, braun gebrannt, Sonnenbrille) und je einem foam board (größer als die normalen Bretter und eben aus Schaum (sag man das so??)) an den Strand. Es wurde auch nicht  lang gefackelt sondern gleich gestartet. Nach einer mini Einweisung wie man paddelt, aufsteht und die Füße stellt durfte das Gelernte sofort in der Praxis angewandt werden. Die Wellen waren natürlich eine absolute Beginner-Form und eigentlich nicht mal Welle zu nennen, aber groß genug um Schwung zu geben waren sie schon. Ich machte mich echt gut und konnte einige Wellen im auf dem Brett stehenden Zustand ausnutzen ( ich will ja nicht angeben oder so, aber ich zitiere Billy: „You’re a natural talent!“ :) ). Jetzt kann ich definitiv nachvollziehen, warum die Aussies so verrückt nach Surfen sind. Der Kick, den ein erfolgreiches Hochdrücken vom Brett und die Welle auslösen, ist die Warterei und die teilweise auch Quälerei alle Mal wert. Man will gar nicht mehr aus dem Wasser raus, man ist vom ersten Moment süchtig!
Nach der Surf Lesson schmissen Marina, Steffi (unsere roommates und Surfkumpaninnen), Janna  und ich uns sogleich auf Boogie Boards, um in den „richtigen“ Wellen zu reiten. Wenn man die Welle perfekt erwischt, fliegt man ungebremst auf den Strand zu – so muss surfen sein, wenn man es richtig kann! Nach einer kleinen Partie Cricket am Strand (spielen ist definitiv cooler als zusehen…:D ) verließen wir mit frisch gehäkelten Mützen von Steffi den Ort, der als Auslöser für meine Surfliebe auf ewig in meiner Erinnerung bleiben wird.

Doch es war der nächste Stopp im kleinen beach village Yamba, der sich als absoluter Glücksgriff entpuppte: perfektes hostel, wunderschöne Strände, super Atmosphäre, kaum Touristen und dazu auch noch billig! Das nutzen wir aus und schrieben uns gleich für die nächste surf session ein. Diesmal kam der real deal und wir standen nun auf den „echten“ plastic boards. Aller Anfang ist schwer, aber nach einer kurzen Gewöhnung an das doch agilere und rutschigere Brett hatten wir den Dreh raus. Schon beim zweiten Mal surfen konnte man die Verbesserung deutlich spüren. Das Gleichgewicht ist leichter zu halten und es sind mehr Versuche erfolgreich als fruchtlos. Leider hinterlässt so ein plastic board an einem Anfänger seine Spuren: am nächsten Tag fühlten wir uns wie verprügelt und trugen einige blaue Flecken davon – das aber mit Stolz!
Sonst stand sonnen, wieder boogieboarden und die sehr populäre 10-buck-sightseeing-tour des Hostelbesitzers auf dem Programm. Letztere ist eine sehr unterhaltsame Tour durch den Ort und die Umgebung, bei der man von Piranhas Füttern über (Plastik-)Schlange fangen bis cliff jumping alles dabei hat. Nach drei Tagen hieß es aber leider wieder Abschied nehmen, doch Yamba halte ich mir auf jeden Fall im Hinterkopf.

Letzter Halt vor Brisbane war dann das must-do Byron Bay. Totaler Touriort, das aber zu Recht. Auch wenn es wirklich überfüllt ist, kann ich die Schönheit des Ortes nicht bestreiten. Hier erlebte ich die WRKLICH gigantischsten und kraftvollsten Wellen meines Lebens, die den perfekten Abschluss unserer Wellenbad-Phase in Australien boten. Der Walk zum Lighthouse und der anschließende Sonnenuntergang und Mondaufgang waren nicht weniger spektakulär und der sunday market hier war wirklich ein Erlebnis. Leider wurde der von uns gebuchte snorkel trip zwei Mal gecancelt, weshalb wir von der australischen Unterwasserwelt nichts zu sehen bekamen. Aber das ist letztendlich nur ein weiterer Grund irgendwann mit weit mehr Zeit zurück zu kommen.

In Brisbane nutzen wir eigentlich nur den Pool und das free WiFi der städtischen library, bevor es mit dem Nachtbus die fast 1000 km zurück nach Sydney ging. Dort statteten wir der Oper noch einmal im Abendlicht einen Besuch ab, trafen Marina und Steffi aus Coffs wieder und genossen am Bondi Beach das letzte Mal Sandkörner unter unseren Füßen.

Die Zeit in Australien ist vergangen wie im Flug, hat noch einmal viele schöne Erlebnisse hervor gebracht und mir Lust auf Mehr gemacht – auch hier fiel der Abschied nicht leicht. Das Land hat so extrem viel zu bieten, dass wohl ein einzelner weiterer Besuch bei Weitem nicht ausreichen wird. Zum Glück hab ich keine Flugangst.

Von Stadt zu Stadt

Canberra 029

Nach Melbourne verschlug es uns ziemlich spontan nach Canberra. Auf unserem Weg nach Sydney wollten wir lieber noch einen Zwischenstopp einlegen und es kann ja auch nicht schaden die Hauptstadt seines Reiselandes gesehen zu haben.
Canberra ist wirklich eine der komischsten capital cities, die ich bis jetzt besucht habe: gerade mal so groß wie Wellington, kaum Hochhäuser, sehr offen und grün gehalten und vor allem sieht man genau, dass die Stadt im höchsten Maße durchgeplant ist. Bei der Canberra map (siehe Artikelbild) könnte es sich auch um den Grundriss einer Parkanlage handeln.
Eine Freundin von Janna verbringt gerade ein Jahr als Au-Pair in Canberra und so kamen wir zu einer privaten Rundfahrt im VW. Durch die Stadt zu zwei lookouts und zum Museum of Australia, wo wir leider nur noch eine halbe Stunde verbringen konnten.
Während wir am nächsten Tag unseren Bus nach Sydney buchten, wurden wir von zwei australian guys zum lunch eingeladen, dass sie zuvor auf dem Markt gekauft hatten: Ciabattabrot, Rührei, Weichkäse und Oliven – das beste lunch seit langem. Es ist aber schon schade, wie man sich beim Essen die ganze Zeit fragt „was wollen die dafür??“ anstatt einfach zu genießen, dass zwei nette Kerle einfach ein bisschen Gesellschaft wollen. Wir revanchierten uns dann mit Abwasch ;)

Mit dem Expressbus (bequemster Bus der ganzen Reise: echte Ledersitze, mega Beinfreiheit, keine Musik durch Lautsprecher) preschten wir nach Sydney, wo das Standard-Touriprogramm folgte. Oper, Harbour Bridge, Botanic Gardens (wo ich von den exotischsten Vögeln überrascht wurde), The Rocks und ein day trip in die Blue Mountains. Beim Kauf des Zugtickets kann man sich mal wieder über die Preise der deutschen Bahn aufregen: Für die insgesamt etwa 120 km zahlt man schlappe 11$. Dafür würde ich in Deutschland vielleicht nach Bad Bevensen und zurück kommen…
In den Blue Mountains erlebten wir den mit Abstand kältesten Tag in Australien. Bei 11 Grad und orkanartigem Sturm friert man sich in Shorts einfach nur den Arsch ab. Unsere Wanderung die giant stairways herunter und anschließend wieder herauf (917 Stufen one way) heizten mir zum Glück ein bisschen ein und  die Aussicht in die endlosen gumtree-Weiten war das Frieren wert.

In Sydney hatten wir schließlich auch einen groben Plan für die restlichen Wochen erstellt. Mit dem Kauf eines Minitraveller Buspasses von Sydney nach Brisbane war unser Trip die Ostküste hoch gesichert. Dazu mehr im nächsten Post.

A Land Down Under

Great Ocean Road & Grampiens 291

Aufgrund der vergleichsweise kurzen Zeit, die wir für Australien haben und weil es mal ohne große Organisation laufen sollte, entschieden wir uns für den absoluten Albtraum jedes Individualreisenden: eine von vorne bis hinten durchgeplante zwei-Tages-Bustour an der Great Ocean Road entlang zu den Grampiens. Weil ich mit den Gedanken eigentlich immer noch in Neuseeland war, hatte ich null Erwartung an die Tour, es konnte ja eh nichts mit dem schönsten Land der Welt mithalten. Ich sollte überrascht werden.

Früh am Morgen stiegen wir mit angenehm wenig Gepäck in den vollen Kleinbus (24 Leute plus Fahrer Chris). Nach einer halben Stunde Großstadtdschungelverkehr ließen wir Melbourne hinter uns und die Tour begann.
Nach unzähligen Fotostopps an wunderschönen Stränden, Felsformationen und lookouts über die Küste machten wir Halt an einer unscheinbaren von Eukalyptusbäumen gesäumten Straße. Eigentlich auf der Suche nach Koalas wurden wir zunächst umflogen von einem großen Schwarm knallbunter parrots, die sich (angelockt vom Körnerfutter) auf Schultern, Armen, Händen und auch mal dem Kopf niederließen – ich wusste gar nicht wie leicht Vögel sind. Ein bisschen weiter den Weg entlang sichteten wir dann tatsächlich noch drei Koalas ergo drei graue Fellknäuel, die gemütlich in Astgabelungen saßen und dösten. Das tun die Tiere ja etwa 20 Stunden am Tag. Einer vollbrachte dann noch eine sportliche Glanzleistung und fing an, die Astgabelung ein Stockwerk höher zu erklimmen.
Nächster Haltegrund war ein kurzer Walk durch australischen Regenwald. Und hier setzte dann auch der befürchtete Fluch Neuseelands ein: dieser Regenwald war für mich „nur“ ein ganz normaler Wald. Wer durch Neuseeland reist, sieht einfach so viele unglaublich schöne Landschaften und Landstriche, dass er regelrecht abgestumpft ist was schöne Landschaften und Landstriche angeht – traurig aber wahr. Ich weiß ja, dass das ein Luxusproblem ist, aber irgendwann denkt man sich einfach „Ein Wasserfall – toll. Ein Regenwald – wahnsinn. Und noch ein wunderbarer Blick über den Ozean – klasse.“ Daher ist es beim Reisen unheimlich wichtig zwischendurch Pausen einzulegen, wieder die Heimat in sich aufzunehmen und Platz zu schaffen für neue Eindrücke, damit man diese auch wieder schätzen kann.
Besagter Fluch setzte auch beim nächsten Stopp wieder ein. Die 12 Aposteln, vorgelagerte vom Ozean herausgespülte Felsbrocken, hatte ich mir ehrlich gesagt imposanter vorgestellt. Nichts desto Trotz waren der Blick und vor allem die Farben wieder einmal schön anzusehen.
Mit dem Sonnenuntergang kamen wir dem Grampiens National Park immer näher und bogen schließlich mit Einbruch der Nacht in eine kleine Straße, die durch den Nationalpark führt, ein. Dunkelheit heißt Känguruzeit und Christ meinte schon immer, dass es seeeehr wahrscheinlich ist, dass er oft bremsen muss. Das erste Känguru tauchte dann auch nach kurzer Zeit auf und hüpfte etwa zwei Minuten vom Scheinwerferlicht paralysiert im selbigen vor dem Bus herum. Die Fahrt ging ab da stop&go mäßig voran und eigentlich jeder verrenkte pausenlos seinen Hals, um einen guten Blick auf die Straße zu haben. Nachdem ich gerade wieder Musik hörend und vernünftig im Sitz saß, machte der Bus plötzlich eine Vollbremsung, die begleitet wurde vom Aufschrei der Menge, es folgte ein laute Knall und Gerumpel. Christ stieg aus und kam nach wenigen Augenblicken mit den Worten „he’s finished“ wieder zurück in den Bus. So war die zweite Kängurubegegnug meines Lebens mein erster Wildunfall…

Auch der zweite Tag der Tour war wieder vollgepackt. Nach ein bisschen Känguru-Spotting, diesmal ohne die Gefahr der unabsichtlichen Tötung, stand eine Wanderung in den Grampiens auf dem Programm. Die Felsen im Nationalpark erinnern ein bisschen an ein riesiges versteinertes Dinosaurierskelett und sind wirklich mehr als beeindruckend. Die Aussicht vom Peak, der nur durch  ein wenig rock climbing erreichbar war,  war unglaublich schön, weshalb Janna und ich gar nicht mehr runter wollten und somit die Letzten auf dem Gipfel waren. Den Vorsprung der anderen versuchten wir durch speed climbing wett zu machen, was nicht von Erfolg gekrönt war. So fanden wir uns an einer Wegabzweigung wieder und entschieden uns spontan für den linken Weg, der sich nach 10-minütiger Wanderung ohne jegliche Geräusche anderer Menschen als falsch heraus stellte. Also wieder hoch und auf der anderen Seite den Berg auf bekanntem Weg runter gesprintet. Trotz dieser zusätzlichen 3 km Weg kamen wir nur vier Minuten zu spät und hatten ein stattliches Sportprogramm absolviert. Und natürlich stellte sich heraus, dass wir unserem Weg nur noch ein bisschen hätten folgen müssen, um zum Ausgangspunkt zu gelangen – das hat ein loop walkway nun mal so an sich…

Völlig atemlos und nicht mehr wirklich aufnahmefähig taumelte ich durchs Aborigine-Centre, das wir nach der Wanderung ansteuerten. Allerdings war ich noch so bei mir, dass ich schockiert war zu erfahren, was den natives in der Vergangenheit angetan wurde. Die Europäer versuchten, das Land von den Aborigines zu „säubern“, was sich in der Entführung oder eher Weglockung von hellhäutigen Stammeskindern äußerte, die in weiße Familien gesteckt wurden, um europäisch erzogen zu werden. Kein Wunder, dass das Verhältnis zwischen den natives und den Weißen mehr als angespannt ist. In solchen Momenten schämt man sich Europäer zu sein…
Auf einem kleinen Spaziergang durch den Garten entdeckte ich dann noch eine Gruppe Emus, die durchs Gebüsch streiften. Nach einem weiteren Stopp an einem Wasserfall und Lunchpause spaltete sich die Gruppe auf (einige fuhren weiter nach Adelaide), wir anderen machten uns auf zum wine tasting. Nicht überraschend war für mich die Feststellung, dass ich immer noch keinen Wein mag. Am Nachmittag ging es schließlich zurück durch die Pampa nach Melbourne.

 

Abschließend muss ich sagen, dass ich in jeder Hinsicht positiv von der Tour überrascht war. Wie ein extremer Touri kam man sich gar nicht vor, wir haben unheimlich viel gesehen, gemacht und gelernt von unserem mehr als gut informierten Fahrer, die Truppe war wirklich nett und die Grampiens haben mich schlichtweg umgehauen. Ich muss sagen, dass der Park um einiges schöner ist als die Great Ocean Road, zumindest, wenn man vorher in Neuseeland war ;)

Wie im Flug

Melbourne 127

Die Reise nach Australien verging buchstäblich wie im Flug – zumindest die beiden Flüge selbst. Qantas ist die bis jetzt mit Abstand beste Airline der Reise. Der Service war gut, das Essen sehr lecker, die Flugzeuge modern und das Unterhaltungsprogramm unfassbar gut. Viele der angebotenen Filme liefen gerade erst im Kino und ich brauchte tatsächlich etwa 10 Minuten, um mich zu entscheiden. Nachdem ich zuerst ‘The Help’ ausgewählt hatte, entschied ich mich aufgrund der Tatsache, dass ich das Buch noch nicht zu Ende gelesen hatte, um und stieg auf ‘My Week With Marylin’ um. Bei der Landung lief der Abspann über den Bildschirm und ich war fast traurig, dass der Flug schon vorbei war. In Sydney mussten wir das Flugzeug wechseln, was leicht stressig war, da Jannas Tasche fälschlicherweise als oversized gekennzeichnet war und wir mit langen Gesichtern vorm leeren Gepäckband standen, ehe wir darauf aufmerksam gemacht wurden. Allerdings konnten wir so schnell durch dir Kontrolle und das, obwohl wir fast jede Box mit ja angekreuzt hatten (wenn man aus Neuseeland kommt nicht überraschend). Der Weiterflug nach Melbourne war dann noch um einiges kürzer als der vorherige, wir hatten uns gerade nach dem Start wieder abgeschnallt, da setzte das Flugzeug auch schon wieder zur Landung an.

In Melbourne angekommen setzte erst einmal der Schock ein: die Stadt hat in etwa so viele Einwohner wie ganz Neuseeland und das merkt man. Volle Straßen, unendlich viele Lichter, riesige Wolkenkratzer. Aber schnell hatten wir uns wieder daran gewöhnt und die Schönheit Melbournes entdeckt. Die Stadt hat unheimlich viel zu bieten, einen riesigen Markt, auf dem man ohne Probleme einen ganzen Tag lang umherstreifen kann und die Lebensmittel nur so hinterher geworfen bekommt, tolle Läden und schöne Parks. Während unseres Aufenthalts war gerade ein Comedyfestival, sodass sogar für gratis Unterhaltung gesorgt war. Die acts, die wir  uns anschauten, hatten weniger mit Comedy als viel mehr mit Akrobatik zu tun und waren wirklich sehr beeindruckend. Nach ein paar Tagen zog es uns aber schon wieder in die Natur – dazu mehr im nächsten Post.

Saying Goodbye

Nun ist es also soweit – die Zeit in Neuseeland ist vorbei. Mit dem Hochladen dieses Artikels verbrauche ich die halbe Stunde free Wifi, die der airport in Christchurch bietet. Schon komisch, vor fast einem halben Jahr kam ich in Auckland an und fragte mich, was ich die nächsten Monate wohl so alles machen werde und wie ich die Zeit „rumkriegen“ soll.
Ich muss sagen, dass ich fast alles gesehen habe, was ich sehen wollte und das beste aus der Zeit gemacht habe. Ich habe die atemberaubensten Landschaften gesehen, wilde Tiere bestaunt, auf Farmen gearbeitet, das neuseeländische Familienleben kennen gerlernt, Pflaumen sortiert, Hostels geputzt, viele nette Leute kennen gelernt, eine menge Spaß gehabt und viel gelernt. Natürlich gab es auch mal miese Zeiten, aber es gab immer eine Lösung, egal wie bedrückend die Lage auch war. Und genau deswegen sehe ich jetzt viel optimistischer und gelassener in die Zukunft, denn egal was kommt, irgendwas Gutes wird schon bei rum kommen.
Aber genug der reflektierenden Worte, das soll ja hier kein Fazit werden. Meine Zeit im Ausland ist noch nicht zu Ende ;)
Noch ein paar Zeilen zu den letzten Tagen: Nachdem ich Christchurch verlassen hatte, genoss ich meine letzten Tage im kleinen Küstenort Akaroa, wo ich noch einmal Delfine sah, im aplinen Dörfchen Hanmer Springs, wo mich leider eine Erkältung heimsuchte, und schlussendlich in Kaikoura. In diesen Tagen merkte ich auch, dass es Zeit wird, weiter zu fahren. Und genau das werde ich jetzt tun, der nächste Blogeintrag kommt aus Australien!
P.S.: Eins steht fest (wie bei jeder Station auf dieser Reise): Ich komme wieder!

Am höchsten Berg

Mount Cook 012

Bei meinem letzten Punkt auf der Do-To-List für Neuseeland war bis zuletzt unklar, ob ich ihn denn tatsächlich abhaken würde: der Shuttlebus zum Mount Cook war mir zu teuer und ein Auto besaß ich leider auch nicht. So plante ich, in Tekapo, etwa 1,5 Autostunden vom Berg entfernt, einen Aushang zu machen. Praktischerweise kam mir aber jemand zuvor. Julia hatte zwar auch kein Auto, aber so konnten wir wenigstens zusammen hitchhiken. Am Abend vorm Losfahren lernten wir beim Frühstück Agathe kennen, die am nächsten Morgen – guess what – mit ihrem Mietwagen ins Mount Cook Village aufbrechen wollte. Unser ride war also gesichert.
Mit einer dicken Wolkendecke über uns brachen wir also am nächsten Morgen auf. Wir alle waren ein bisschen missmutig, da das Wetter am Vortag zwar auch nicht der Wahnsinn war, aber auf jeden Fall besser als heute. Aber je dichter wir unserem Ziel kamen, desto mehr klarte der Himmel auf und kurz vor Ankunft hatten wir strahlend blauen Himmel ohne jede Wolke. Jede Minute unseres Daytrips nutzen wir voll aus und absolvierten nicht eine sondern gleich zwei Wanderungen im Mount Cook National Park. Den höchsten Berg Neuseelands immer  im Blick, die grüne Vegetation um uns herum, Gletscher im Augenwinkel und mit der Sonne im Rücken bot sich uns ein unglaublicher Anblick. Da rückten sie Sorgen, wie Julia und ich am Nachmittag eigentlich wieder zurück kommen (Agathe blieb über Nacht im Village) in den Hintergrund.
Als wir am Endpunkt der zweiten Wanderung ankamen, einem Gletschersee mit darin schwimmenden Eisbrocken, sprachen wir kurzer Hand zwei Deutsche Frauen an. Und wieder mal hatten wir Glück, denn die beiden waren auch nur für einen Tag hier und kamen aus Tekapo. Auf der Rückfahrt konnten wir noch einmal Mount Cook in seiner ganzen Prach bestaunen.
Aber auch die Umgebung um Lake Tekapo herum, meiner eigentlichen Base für die Zeit, ist atemberaubend. Vom Mount John, dem Hausberg des Ortes, hat man einen unglaublichen Ausblick über die Gegend. Endlos goldgelbe Grasebenen, Seen in den intensivsten Farben, die ich je bei Wasser gesehen hab und natürlich die Berge in der Ferne überall um einen herum.
Deswegen war ich auch ein bisschen traurig als ich in den Bus nach Christchurch stieg. Nach den Erdbeben ist die Stadt auch leider kein Ort mehr, an dem man lange bleiben möchte. Das Stadtzentrum ist komplett gesperrt, man fühlt sich eigentlich wie in einer vom Krieg zerstörten Stadt, Überall stehen Bauzäune, es liegen Trümmerhaufen herum und der Weg zum hostel dauert aufgrund des Umwegs mal eben fast eine Stunde.Allerdings gibt es Hoffnung: es finden viele Freiluftevents statt, so bin ich an einer Filmvorstellung auf einem Parkplatz vorbei gekommen, große Zelte wurden in Bars umgebaut und es gibt sogar eine kleine Container Mall, wo jedes Geschäft einen andersfarbigen Bauwagen hat. Nach einem Nachmittag hat man dann aber auch alles gesehen und ich war froh, als ich die Stadt am nächsten Tag Richtung Akaroa verließ.

Schokolade, Pinguine und Räucherstäbchen

Oamaru 120

Nach dem beinahe schon fluchtartigen Verlassen der fruit farm fuhr ich ohne weiteren Zwischenstopp nach Dunedin. So toll wie von vielen Reisebekanntschaften immer beschrieben, fand ich die Stadt nun nicht. Allerdings gibt es auffallend viele Secondhand-bookshops und sehr viele junge Leute, was beides an der Tatsache liegt, dass Dunedin DIE Universitätsstadt schlechthin ist.

Außer zur steilsten Straße der Welt führte mich mein Weg auch in die Cadbury Schokoladenfabrik. Mit hohen Erwartungen meinerseits begann die Führung durch die Fabrik, die mich dann doch etwas enttäuschte: Viele Abteile waren außer Betrieb, den guide konnte ich wegen Lärm und extremem Kiwiakzent kaum verstehen, die richtige Blockschokolade wird gar nicht im neuseeländischen Werk hergestellt und die Süßigkeiten, die doch hier gefertigt werden, sind irgendwie pervers. Alles zu süß und meinem Geschmack nach zu viel Marshmallow. Andererseits war die Probe flüssiger Schokolade schon wirklich geil!

Im schönen kleinen Städtchen Oamaru verbrachte ich unerwartet eine ganze Woche, weil ich spontan noch einmal in einem Hostel arbeiten konnte. Nach ein paar Tagen kam Janna nach und wollte eigentlich nur als Gast im hostel wohnen, bekam dann aber noch spontaner fünf Minuten vor Schichtbeginn einen Job angeboten. Das Chillawhile machte seinem Name alle Ehre: zu Hare-Krishan-Entspannungsmusik oder auch dem Amelie-Soundtrack und umschwebt von Räucherstäbchendüften stand wieder Aufräumen und Betten machen auf dem Arbeitsplan. Wenn die Arbeit beendet war hingen wir in der Lounge herum, klimperten und zupften auf und an den zahllosen Instrumenten herum, backten fruit crumble oder spielten Riesen-Wackelturm.

Aber der Hauptgrund, warum man nach Oamaru kommt, ist eindeutig das penguin watching. Zwei Arten kann man bestaunen, den kleinen blue penguin und den etwas größeren yellow-eyed penguin. Ich hatte das Glück und konnte beide sehen und das sogar ohne einen Haufen Geld dafür zu bezahlen. Von der Hostelbesitzerin des ersten Hostels erfuhr ich, dass vor kurzem die Uferbepflanzung zerstört und ein Zaun gezogen wurde, damit die blue penguins nur noch dort an Land gehen, wo man als Beobachter bezahlen muss – super. Dennoch kann man nach Einbruch der Dunkelheit die winzig kleinen Geschöpfe an der wharf an Land kommen sehen, weil Touristen immer wieder die Zäune anheben, damit die Tiere zu ihren Nistplätzen kommen. Zwischen den Steinen versteckt und vor den Nistplatzeingängen stehend sah ich dann auch tatsächlich die blue penguins. Obwohl man überall liest, dass das die kleinsten Pinguine der Welt sind, ist man dann doch überrascht: die reichen einem nicht mal bis zum Knie, was sie noch viel niedlicher macht:D Ich persönlich finde die yellow-eyed penguins aber irgendwie cooler. Als ich mit zwei anderen Mädels auf dem Weg zur colony war, wurden wir von einem local aufgegabelt, der uns im Auto mitnahm und bei der colony dann auch gleich den insiderspot aufzeigte, an dem etwa fünf Meter vom Weg entfernt ein Prachtexemplar in den Büschen saß. Das hieß Kamera raus und nicht mehr aufgehört zu knipsen.

Plums, plums, plums

Wwoofing Roxburgh 003

Nachdem ich in Queenstown und Umgebung ordentlich Geld gelassen hatte, war es mal wieder Zeit für den Sparkurs: ein drittes Mal wwoofen stand auf dem Plan. Auf halber Strecke zwischen Queenstown und Dunedin verließ ich den Bus in einem kleinen Kaff namens Roxburgh mitten in Central Otago, das für den Obstanbau bekannt ist. So ist es auch nicht verwunderlich, dass ich auf einer fruit farm arbeitete.

Nach einer halben Stunde Gepäckschleppen entlang des Highways kam ich endlich an meinem Zielort an. Die Farm entpuppte sich als eine mittelgroße Bruchbude nebst einer endlosen Weite an Obstbäumen. Der Farmbesitzer Dave – Mitte Dreißig, abwechselnd Tabak und Gras rauchend, ohne jegliches Organisationstalent und unter komischen Stimmungsschwankungen leidend (man wusste nie so wirklich, woran man bei ihm eigentlich ist) – führte mich in den Wohnbereich, in dem mir sofort der geruchsintensive Mix aus den Substanzen, die Dave so im Laufe eines Tages zu Rauch verarbeitet, entgegen schlug. Ich betete noch, dass ich hier nicht der einzige Wwoofer bin, als auch schon zwei andere Freiwillige den Raum betraten. Eine davon kannte ich sogar aus einem Hostel in Greymouth. Diese zufälligen Wiedersehen geschehen beim Reisen übrigens erstaunlich häufig und oft an den abgefahrensten Orten. Ich hab schon bekannte Gesichter auf einem Wanderweg mitten im Wald oder hinter dem Tresen einer Freiluftbar getroffen. Aber zurück nach Roxburgh, es stellte sich schnell heraus, dass ungefähr 12 Wwoofer auf der Farm weilten, was mir ein erleichtertes Aufatmen ermöglichte.

Meine einzige Aufgabe in den nächsten vier Tagen bestand darin, die gepflückten Pflaumen der Größe nach zu sortieren und in entsprechende Pappkartons zu füllen und das sieben Stunden pro Tag. Aufgrund dieser Abwechslung wurde aus der geplanten Woche auf der Farm auch nur eine gute halbe Woche. An dieser Stelle muss ich kurz erklären, dass es zwei Typen von Wwoof-Hosts gibt. Die eine Sorte ist darum bemüht, dem Freiwilligen Einblicke in neue Bereiche zu gewähren, Dinge zu erklären und eine abwechslungsreiche Zeit zu ermöglichen. Die andere Sorte sucht billige Arbeitskräfte. Leider gehörte Dave zur letzteren Sorte.

Aber trotzdem war die Zeit auf der fruit farm definitiv eine geile Erfahrung. Das Essen war wirklich gut (echtes Nutella ist nach einem halben Jahr wirklicher Luxus), die anderen Wwoofer cool, die Katzen unglaublich anschmiegsam und ich hatte vier Tage lang uneingeschränkten Zugang zu frischen Pflaumen und Aprikosen. Ich habe ein typisch israelisches Gericht gelernt, einen Einblick in mexikanische Familienstrukturen bekommen und eine echt aussagekräftige Schirmmütze gesehen: plüschig blau-weiß mit der fetten Aufschrift ‘HATE’, die eine japanische Wwooferin von ihrer unwissenden Oma geschenkt bekommen hat.

Adrenaline Rush III

In der absoluten Adrenalin-Hochburg Neuseelands Queenstown konnte ich der Versuchung mal wieder nicht widerstehen: diesmal stand Rafting auf dem Programm. Das Abenteuer begann schon auf dem Weg zum drop-in auf einer der zehn gefährlichsten Straßen der Welt – und dieser Titel ist berechtigt. Teilweise fielen senkrechte Klippen etwa einen Meter neben dem Van 100 Meter in die Tiefe. Als dann noch ein Auto von vorne kam und wir nur durch rückwärts ausweichen und halb über den Abhang hängen aneinander vorbei kamen, hatte ich doch ein bisschen Herzrasen.
Nach einer kurzen Einführung und dem üblichen Sicherheitstalk, der sich immer so anhört als müsste man sich fragen: „Warum mach ich das hier eigentlich?“ wurden die Boote zu Wasser gelassen. Ich landete mit zwei deutschen Studenten und drei älteren polnischen Australiern bei einem sehr begeisterten weiblichen Guide. Die beiden polnischen ladies waren mit Abstand die enthusiastischsten und abenteuerlustigsten Insassen, was sich regelmäßig in Freudenschreien äußerte. Zu Beginn war die Fahrt noch sehr sanft, was ich gleich ausnutze und eine Runde neben dem Boot hertrieb, schließlich wurde das Wasser unruhiger. Wir stürzten uns in eine Stromschnelle nach der anderen, die Namen wie ‘toilet’ und ‘oh shit’ trugen, klatschen frontal gegen Felsen, musste teilweise alle auf eine Seite springen, damit das Boot kippt und wir so zwischen zwei Felsen hindurch passen und passierten zu guter Letzt einen Tunnel, der von einem mini Wasserfall gefolgt wurde. Klitschnass und mit eisigen Füßen verließen wir letztendlich das Boot und freuten uns auf die heiße Dusche.