Früh am Morgen machten wir uns auf zum Greyhound Busstop, um unseren Trip die Ostküste hoch zu starten, welcher sich mehr als spontan gestaltete. Die Ziele wurden von uns ausgewählt nach Kriterien wie „schöner Ortsname“, „noch nicht zu dicht an Brisbane“, „schöne Bilder auf den Hostelflyern“ und nicht zuletzt natürlich auch aufgrund von Empfehlungen. Kurzum haben wir immer sehr kurzfristig entschieden, wo es als nächstes hingeht.
Ich muss sagen, dass wir wirklich gute Wahlen getroffen haben – zwei Orte waren regelrechte Perlen. Generell gesprochen bestand die Zeit aus Märkten, Strand, auf verschiedene Arten Wellen reiten und einfach nur die Tage genießen. Das Leben hier war in jeder Hinsicht eng mit dem Ozean verbunden.
Erster Stopp war Port Macquarie, eigentlich ein recht lahmer Ort mit nicht wirklich schönen Stränden. Das Wetter war in den zwei Tagen, die wir dort waren, auch nicht der Knüller. Trotzdem begab ich mich ins Wasser und erlebte die bis dato höchsten Wellen meines Lebens. Die einzige wirkliche Sehenswürdigkeit des Ortes – das Koala Hospital – stand natürlich auch auf unserem Programm und stellte sich als wirklich sehenswert heraus. Nach zwei Tagen hat man dann aber auch alles gesehen und die Fahrt ging weiter.
Coffs Harbour war dann eine echte Überraschung: super Leute – sowohl staff als auch guests – schöner Ort, netter sunday market, noch bessere Wellen und eine menge Aktivitäten. Denn auf diesem Fleckchen Erde probierten wir zum ersten mal DEN australischen Sport schlechthin aus – wir wagten uns auf’s surf board! Mit ein paar anderen Mädels aus dem hostel ging es mit dem wandelnden Klischee-Surflehrer Billy (blonde Wuschelhaare, braun gebrannt, Sonnenbrille) und je einem foam board (größer als die normalen Bretter und eben aus Schaum (sag man das so??)) an den Strand. Es wurde auch nicht lang gefackelt sondern gleich gestartet. Nach einer mini Einweisung wie man paddelt, aufsteht und die Füße stellt durfte das Gelernte sofort in der Praxis angewandt werden. Die Wellen waren natürlich eine absolute Beginner-Form und eigentlich nicht mal Welle zu nennen, aber groß genug um Schwung zu geben waren sie schon. Ich machte mich echt gut und konnte einige Wellen im auf dem Brett stehenden Zustand ausnutzen ( ich will ja nicht angeben oder so, aber ich zitiere Billy: „You’re a natural talent!“
). Jetzt kann ich definitiv nachvollziehen, warum die Aussies so verrückt nach Surfen sind. Der Kick, den ein erfolgreiches Hochdrücken vom Brett und die Welle auslösen, ist die Warterei und die teilweise auch Quälerei alle Mal wert. Man will gar nicht mehr aus dem Wasser raus, man ist vom ersten Moment süchtig!
Nach der Surf Lesson schmissen Marina, Steffi (unsere roommates und Surfkumpaninnen), Janna und ich uns sogleich auf Boogie Boards, um in den „richtigen“ Wellen zu reiten. Wenn man die Welle perfekt erwischt, fliegt man ungebremst auf den Strand zu – so muss surfen sein, wenn man es richtig kann! Nach einer kleinen Partie Cricket am Strand (spielen ist definitiv cooler als zusehen…:D ) verließen wir mit frisch gehäkelten Mützen von Steffi den Ort, der als Auslöser für meine Surfliebe auf ewig in meiner Erinnerung bleiben wird.
Doch es war der nächste Stopp im kleinen beach village Yamba, der sich als absoluter Glücksgriff entpuppte: perfektes hostel, wunderschöne Strände, super Atmosphäre, kaum Touristen und dazu auch noch billig! Das nutzen wir aus und schrieben uns gleich für die nächste surf session ein. Diesmal kam der real deal und wir standen nun auf den „echten“ plastic boards. Aller Anfang ist schwer, aber nach einer kurzen Gewöhnung an das doch agilere und rutschigere Brett hatten wir den Dreh raus. Schon beim zweiten Mal surfen konnte man die Verbesserung deutlich spüren. Das Gleichgewicht ist leichter zu halten und es sind mehr Versuche erfolgreich als fruchtlos. Leider hinterlässt so ein plastic board an einem Anfänger seine Spuren: am nächsten Tag fühlten wir uns wie verprügelt und trugen einige blaue Flecken davon – das aber mit Stolz!
Sonst stand sonnen, wieder boogieboarden und die sehr populäre 10-buck-sightseeing-tour des Hostelbesitzers auf dem Programm. Letztere ist eine sehr unterhaltsame Tour durch den Ort und die Umgebung, bei der man von Piranhas Füttern über (Plastik-)Schlange fangen bis cliff jumping alles dabei hat. Nach drei Tagen hieß es aber leider wieder Abschied nehmen, doch Yamba halte ich mir auf jeden Fall im Hinterkopf.
Letzter Halt vor Brisbane war dann das must-do Byron Bay. Totaler Touriort, das aber zu Recht. Auch wenn es wirklich überfüllt ist, kann ich die Schönheit des Ortes nicht bestreiten. Hier erlebte ich die WRKLICH gigantischsten und kraftvollsten Wellen meines Lebens, die den perfekten Abschluss unserer Wellenbad-Phase in Australien boten. Der Walk zum Lighthouse und der anschließende Sonnenuntergang und Mondaufgang waren nicht weniger spektakulär und der sunday market hier war wirklich ein Erlebnis. Leider wurde der von uns gebuchte snorkel trip zwei Mal gecancelt, weshalb wir von der australischen Unterwasserwelt nichts zu sehen bekamen. Aber das ist letztendlich nur ein weiterer Grund irgendwann mit weit mehr Zeit zurück zu kommen.
In Brisbane nutzen wir eigentlich nur den Pool und das free WiFi der städtischen library, bevor es mit dem Nachtbus die fast 1000 km zurück nach Sydney ging. Dort statteten wir der Oper noch einmal im Abendlicht einen Besuch ab, trafen Marina und Steffi aus Coffs wieder und genossen am Bondi Beach das letzte Mal Sandkörner unter unseren Füßen.
Die Zeit in Australien ist vergangen wie im Flug, hat noch einmal viele schöne Erlebnisse hervor gebracht und mir Lust auf Mehr gemacht – auch hier fiel der Abschied nicht leicht. Das Land hat so extrem viel zu bieten, dass wohl ein einzelner weiterer Besuch bei Weitem nicht ausreichen wird. Zum Glück hab ich keine Flugangst.